Ostanatolien
2. Hälfte 19. Jahrhundert
335 x 137 cm
Schätzpreis/Estimate CHF5'400.-

Dieser alte, ungewöhnliche Dorfteppich im Kelai-Format aus dem fernen Osten Kleinasiens zeigt ein schattiertes, grau/schwarzes Feld, das hinter einer dichten Anordnung von rosafarbenen Boteh-Formen, die alternierend auf horizontalen Reihen angeordnet sind, beinah vollständig verschwindet. Jedes Boteh-Motiv ist mit vier Quincunx-artigen oder einfachen kreuzförmigen Elementen in sanften Schattierungen von Gerbbraun, Elfenbein, Pfirsich und ähnlichen Farbtönen gemustert – bis auf eine Reihe nahe der horizontalen Mittellinie, die über einzelne, grössere schachbrettartige Rhomben verfügt. Eine gelb-ockerfarbene Hauptbordüre aus doppelten S-Formen in Weinrot, Blassgrau, Lovatgrün, sanftem Rosa und Dunkelgrün wird von Seitenborten in den jeweiligen Abteilungen eingerahmt, die mit Sternmotiven, Kreuzformen, schachbrettartigen Rhomben und einer Serie von auffallenden und verschieden gefärbten, asymmetrischen, ineinander greifenden Designelementen dekoriert sind. Die Nähe der Dörfer zur persischen Grenze in der abgelegenen Region Kars, in denen diese Teppiche geknüpft wurden, spiegelt sich im überzeugenden Boteh-Vokabular wider, das hier zur Anwendung kommt und ansonsten auf türkischen Webstücken selten anzutreffen ist. Die relative Nähe des Kaukasus zeigt sich auch in der kraftvollen Dekoration der Hauptbordüre mit rollenden S-Formen, wenn auch in diesem Fall das Design ursprünglich aus Anatolien stammt und von den Webern aus Karabagh und anderen kaukasischen Provinzen adaptiert wurde. Von der Farbgebung her ist die Bordüre in ihrem Charakter voll und ganz türkisch. Ein ostanatolischer Teppich ähnlichen Formats aus der Sammlung Danker (Wiesbaden) präsentiert eine vergleichbare Mischung persischen und kaukasischen Designs. Die etwas rätselhaften asymmetrischen Figuren in vielen Abschnitten der kleineren Bordüren finden ihre „Erklärung“ in der ausgedehnten Form der Segmente der oberen und unteren, kleineren Bordüren, wo sie sich als Teile einer alternativen Version des Designs mit rollenden S-Formen erweisen. Die farblichen Kontraste innerhalb dieser identischen Sektionen an den Enden der Bordüren dienen auch dazu, die Bandbreite der in dieser Arbeit verwendeten Farben und Schattierungen zu illustrieren. Die Verwendung früher Anilinfarben – möglicherweise ein verblichenes Fuchsin – erlaubt eine recht genau Datierung dieses Stücks zwischen 1860 und 1880.
An old and unusual kelai format village carpet from the far east of Asia Minor, its shaded grey/black field panel almost hidden beneath a dense array of rose-coloured boteh forms deployed in alternately facing horizontal rows, each boteh motif patterned with four quincunx or simple cruciform elements in soft shades of tan, ivory, peach and related colours, apart from a single row near the horizontal midline holding larger single chequered diamonds; a yellow ochre main border of double S-forms in wine red, pale grey, lovat green, soft pink and dark green is framed in compartmental side borders decorated with star motifs, cruciforms, chequered diamonds and a series of striking and variously coloured asymmetric interlock designs. The proximity of the knotting villages in the remote Kars region to the Turkish border with Persia is reflected in the assured boteh vocabulary employed, an ornament seldom encountered in Turkish weavings. The comparable proximity of the Caucasus is similarly recalled in the powerful S-scroll decoration of the main border, although in this case the design originated in Anatolia and was adapted by the weavers of Karabagh and other Caucasian districts; in colouring, the border is entirely Turkish in character. An east Anatolian carpet of similar format in the Danker Collection, Wiesbaden, shows a similar mixture of Persian and Caucasian designs. The somewhat puzzling asymmetric figures in many of the minor border compartments are ‘explained’ in the expanded form of the upper and lower minor border segments, where they are revealed as parts of an alternative version of the S-scroll design; the tonal contrasts between these same end border sections also serve to illustrate the range of colour and shade encompassed in the work. The presence of an early aniline dye, possibly a faded fuchsine, allows a reasonably accurate dating of the example to the 1860 - 1880 CE period.
Lit.: Sammlung Anton Danker Wiesbaden: Meisterstücke Orientalischer Knüpfkunst, No.39