Südostkaukasus, Region Moghan/Baku
letztes Viertel 19. Jahrhundert
280 x 128 cm
Schätzpreis/Estimate CHF12'500.-

Ein elfenbeinfarbenes und zwei dunkelblaue oktogonale Medaillons bedecken die gesamte Breite eines langgezogenen mohnroten Felds aus farbenprächtigen zungennadelförmigen Rauten, wobei jedes Medaillon mit diversen hakenförmigen und vogelköpfigen Stiel-Elementen in Blassblau, Schweissgelb, tiefem Indigo, Rosenrot und Dunkelbraun und weiteren Formen verziert ist, die um rote, innere Oktogone herum angeordnet sind, die wiederum sich gegenüberstehende Formen innerhalb gezahnter Bordüren mit Kleeblättern enthalten. Eine elfenbeinfarbene Hauptborte mit polychromen Oktogonen und dazwischen verstreuten Blütenkelch-Motiven wird durch hellblaue und rote seitliche Bordüren mit mäandrierenden floralen Stiel-Elementen eingerahmt und mit „Barber’s pole“ Stulpen-Streifen in Schwarz/Weiss und Rot/Hellblau vervollständigt. Aufgrund der Struktur, als auch wegen dem typischen Farb- und Designrepertoire, wird die sehr kohärente Chajli-Gruppe allgemein der Moghan Klassifikation zugeordnet, wenn auch Schürmann und Bennett eine engere Assoziation bevorzugen – das betreffende Dorf und die Gegend von Chajli befinden sich in der Provinz Baku, zwischen Marasali im Norden und Saliani im Süden. Das vorliegende Stück ist ein bedeutendes Beispiel dieses Typus, mit bemerkenswert lebhaften Farben und einer bewunderungswürdigen kompositorischen Balance. Die zusammenhängenden Figuren im Zentrum des Medaillons verfügen im Gegensatz zu den eher konventionellen hakenförmigen Rauten oder „endless knot“-Rosetten über einen ausgeprägt anthropomorphen Charakter. Einige Motive am oberen Rand des zentralen Medaillons zeigen möglicherweise ein kaum mehr erkennbares Datum. Die Verzierung des Medaillons mit Stielen zählt zu den ganz typischen Elementen des kaukasischen Design-Repertoires, gemeinsam mit der eleganten Verwendung der Bordüren, wie bei vielen der publizierten Beispiele.
One ivory and two dark blue octagonal medallions cover the width of an elongated poppy red field of multi-coloured latch-hooked diamonds, each medallion decorated with various hooked and bird-headed stem elements in pale blue, weld yellow, deep indigo, rose red, dark brown and other shades deployed around red inner octagons holding confronting forms within trefoil serrated panels; an ivory main border detailing polychrome octagons and interspersing calyx motifs is framed between light blue and red side borders with floral stem meanders, barber’s pole guard stripes in black/white and red/light blue completing. On structural grounds, as well as for their related colour and design repertoire, the highly cohesive Chajli group is generally placed within the Moghan classification, although Schürmann and Bennett prefer a closer Shirvan association – the actual village and district of Chajli are in Baku province, between Marasali in the north and Saliani to the south. This is a definitive example of the type, of notably vivacious colour and admirable compositional balance. The conjoined figures at the centre of the medallions possess a strong anthropomorphic character, in contrast to the more common hooked diamonds or ‘endless knot’ rosettes. Some motifs at the top of the central medallion may indicate a vestigial date. The stem embellishment of the medallions is among the most cohesive of Caucasian design repertoires, with the elegant border employed here also recurring in many published examples.
Lit.: I. Bennett: Oriental Rugs Volume I – Caucasian, S. 207, 209; E. Gans-Ruedin: Caucasian Carpets, S.158-159 und 160-161.