Nordwestpersien
c.1900
193 x 137 cm
Schätzpreis/Estimate CHF35'000.-

Es handelt sich hier um einen feinen und sehr gut erhaltenen persischen Gebetsteppich aus Seide im klassischen ottomanischen Design. Das in dunklem Purpurrot gehaltene Gebetsfeld ist lediglich mit zwei geschmückten Säulen, einem dezenten unteren Fries aus stilisierten Tulpen und einer wunderbaren sakralen Hängelampe dekoriert. Hellblaue Spandrillen sind mit einem feinen Netz aus eckigen und goldfarbenen Stielen und kleinen roten Blumen gemustert und begrenzen den dreieckigen Gebetsbogen und stützen ein blassgelbes oberes Feld aus stielartigen Rosetten in Purpurrot, Grün, Dunkelorange und Himmelblau, während eine ultramarine Hauptbordüre über üppig kolorierte verzierende und sternblumenartige Palmetten auf einem Hintergrund von grünen und gelben Stielen verfügt. Stulpen-Bordüren in ungewöhnlichem, gegeneinander versetzten Design komplettieren die Arbeit. Die Adaptierung des klassischen anatolischen Gebetsdesigns durch die Werkstätten der Tabriz im Zuge eines „Revivals“ oder im Zusammenhang mit der „neoklassischen“ Periode der persischen Knüpfkunst reflektiert das hohe Prestige, das die türkischen Teppiche an den wichtigsten Exportmärkten der Epoche genossen, während die Güte und luxuriöse Gestaltung der besten Kreationen aus Tabriz die konkurrenzfähige Natur der dortigen Weber sowie deren Bedürfnis, sogar noch die besten der ottomanischen Webstücke zu übertreffen, dokumentieren. Die technische Virtuosität, die aussergewöhnliche Qualität der Seide und die hervorragend gesättigten Farben können lediglich mit der zeitgenössischen türkischen Produktion verglichen werden, wie sie im Montreal Museum ausgestellt werden. Damit kann auch nachvollzogen werden, wie es möglich war, dass Persien so schnell und entscheidend seine Rivalen im Westen während der kritischen Epoche rund um die Jahrhundertwende verdrängen konnte. Exzellenter Erhaltungszustand.
A fine and very well-preserved Persian silk prayer rug of classic Ottoman design, the deep crimson prayer field decorated only with two ornate columns, discreet lower frieze of stylised tulips and a magnificent pendant mosque lamp; light blue spandrels patterned with a fine mesh of angular gold stems and small red flowers outline the triangular prayer arch, and support a pale yellow upper panel of gem-like rosettes in crimson, green, burnt orange and sky blue, while an ultramarine main border holds sumptuously coloured arabesque palmettes and star-flower palmettes against a background of green and yellow stems; guard borders of unusual offset design complete the work. The adoption of classic Anatolian prayer designs by the workshops of Tabriz in the ‘revival’ or ‘neo-classical’ period of Persian knotting reflects the high prestige of the Turkish carpet in the main export markets of the age, while the excellence and luxury of the best of these Tabriz creations represents the competitive nature of the Tabrizi weavers, and their desire to surpass even the most revered of Ottoman weavings. The technical virtuosity, outstanding quality of silk and superbly saturated colour presented in this work need only be compared with such contemporaneous Turkish production as the Montreal Museum exhibits referenced to understand how Persia so rapidly and decisively supplanted their rivals to the west during the course of this critical turn-of-the-century epoch. Excellent condition.
Lit.: A. Ittig: Oriental Carpets from the Collection of the Montreal Museum of Fine Arts, Tafel 17, 18 and 19 (Panderma and Kayseri prayer rugs in the same Ghiordes style as this Lot)