Auction:

Antike, seltene und dekorative
Teppiche, Flachgewebe und Textilien

Auction Date:

Sunday 12 November 2006
at 15.30 hours

Location:

Hotel Baur au Lac
Zürich
Lot 76 of 100 Lots

Lot: 76

Yomut kelim

Zentralasien, Stamm der Yomut-Turkmenen

c.1900

265 x 148 cm

 

Schätzpreis/Estimate CHF4'000.-

76_Yomud-Kelim_265x148

Das Feld besteht aus horizontal verlaufenden Bändern, die mit drei kontrastierenden Schemata gemustert sind. Die breitesten, rot grundierten Bänder mit Bostan-Kreuzformen und einer zentralen Raute sind jeweils mit vier Paaren kleiner Hörner geschmückt. Die auffälligsten Bänder sind mit nach aussen gerichteten Stielen aus pfeilartigen, haken- und rautenförmigen Ak Nagysh-Motiven verziert, die sich von den zentralen Hexagons ausbreiten. Die schmalsten Bänder verfügen über nach aussen gerichtete, ineinandergreifende Designs aus polychromen Saldat-Motiven in Stimmgabelform. Zwischen jedem Band verlaufen schmale rote und weisse schachbrettartig gemusterte Linien. Drei Bordürenstreifen mit jeweils einer Version des Dogajik-Designs umrahmen schliesslich die gesamte Komposition. Obwohl dies das wahrscheinlich bekannteste Design turkmenischer Flachgewebe darstellt, findet sich dieses paradoxerweise auch sehr häufig auf geknüpften Teppichen mit Flor der Yomut und auf schmückendem Pferdegeschirr, wie etwa bei den von Tsareva veröffentlichten sechsseitigen Salatchak-Beispielen (die kommentarlos den Ersari und nicht den Yomut zugeschrieben werden) und den Azadi. Tatsächlich flachgewobene Exemplare wie das vorliegende Stück und der bei Macdonald erwähnte Namazlik sind vergleichsweise selten und generell etwas älter als die ähnlichen geknüpften Arbeiten mit Flor. Nachdem der geknüpfte Salatchak der Azadi auf AH 1322 (1902 CE) datiert wird und der bei Tsareva dokumentierte Salatchak bereits im Jahr 1914 von Felkerzam publiziert wurde, erscheint die Datierung des bei Macdonald erwähnten Kelims ins letzte Viertel des 19. Jahrhunderts als korrekt. Sämtliche in vorliegendem Stück verwendeten Farben sind natürlichen Ursprungs, wobei die gestalterische Meisterschaft und Ausgewogenheit dieser Arbeit – ungeachtet des exzellenten Zustands – zusätzlich für eine mögliche frühere Datierung sprechen.

The field consists of horizontal bands patterned in three contrasting schemes, the broadest red ground bands with diamond-centred bostan cruciforms each embellished with four small pairs of horns, the most prominent bands with outward-facing stems of  arrow-like hooked diamond ak nagysh motifs extending from central hexagons and the narrowest bands with outward interlocking designs of polychrome saldat tuning-fork motifs, slender red and white chequered lines running between each band, three border stripes each with a version of the dogajik design framing the whole. While this is probably the best-known of Turkoman flat-weave designs, it is paradoxically encountered most frequently in Yomut knotted-pile carpets and horse trappings such as the six-sided salatchak examples published by Tsareva (attributed without comment to the Ersari rather than the Yomut) and Azadi; actual flat-woven examples such as the present item and the Macdonald namazlik  are comparatively rare, and generally somewhat older than their knotted pile relations. With the knotted salatchak of Azadi dated AH 1322 (1902 CE) and the Tsareva salatchak having been previously published by Felkerzam in 1914, Macdonald’s dating of his kelim version to the last quarter of the nineteenth century is likely to be accurate. All the dyes in the present item appear to be natural, with the draughtsmanship and balance of the work further supporting a possibly earlier dating than that given, excellent condition notwithstanding.

Lit.: E. Tsareva: Rugs and Carpets from Central Asia, No. 103; B.W. Macdonald: Tribal Rugs, Tafel 12; S. Azadi: Turkoman Carpets, Tafel 42

Lot 76 of 100 Lots