Auction:

Antike, seltene und dekorative
Teppiche, Flachgewebe und Textilien

Auction Date:

Sunday 12 November 2006
at 15.30 hours

Location:

Hotel Baur au Lac
Zürich
Lot 91 of 100 Lots

Lot: 91

Turkoman Bib

Nordafghanistan

c.1920

65 x 53 cm

 

Schätzpreis/Estimate CHF200.-

91_Kinderlatz_65x53

Ein hexagonaler Kinderlatz mit dreieckigen seitlichen Laschen ist in einer gemischten flottierenden Brokat-Schusstechnik auf grünem Hintergrund gewoben. Das blaue, grundierende Zentralfeld umschliesst die ovale Öffnung für den Kopf und ist mit Kotshak-artigen Motiven gemustert, die von „Ersari-Blatt-Mäander“-Bändern in Karmesinrot und Indigo segmentiert werden. Das gleiche Mäander-Design füllt auch die hexagonale grüne Bordüre samt einer farbenprächtigen äusseren Bordüre mit sägezahnartigen Motiven, die die Komposition umschliesst. Einzelne Blatt-Motive, die innen schachbrettartig gemustert sind, verzieren die seitlichen Laschen. Derartige dekorative Kinderlatze wurden vorwiegend von den turkmenischen Stämmen im nördlichen Afghanistan erzeugt. Während dieses ungewöhnliche Exemplar bereits als Tekke beschrieben wurde, lassen dessen blattartige Gestaltung der Bordüren es plausibler erscheinen, dieses Stück den Ersari zuzuordnen. Bei Kalter findet sich ein kleinerer Latz mit den gleichen gewellten Kotshak-Motiven wie in vorliegendem Fall, den er – im Gegensatz zu den Uzbek oder Lakai – eindeutig der turkmenischen Tradition zuordnet. Zudem beschreibt er eine bestickte grüngrundierte Bokhce (Spiegeltasche) mit beinah identischer Bordüre als Ersari. Darüber hinaus illustriert er einen vollständigen Latz im selben Format wie das vorliegende Beispiel einschliesslich der dreieckigen Laschen, das mit turkmenischen Motiven auf einem grünen Hintergrund bestickt ist. Im Abschnitt über Kinderkleidung (S. 96) hält Kalter fest, dass die dreieckigen Laschen eine Amulett-Funktion haben, ähnlich wie jene, die an die gestickten Hemden für die Buben der Tekke angeheftet werden.

A hexagonal child’s bib with triangular side flaps woven in a mixed weft-float brocading technique against a green background, the blue ground central panel enclosing the oval head opening patterned with kotshak-like motifs being segmented by ‘Ersari-leaf-meander’ bands in crimson and indigo, the same meander design filling the hexagonal green border, with a colourful saw-tooth outer border around the whole; single leaf motifs within chequered surrounds embellish the side flaps. Such decorative children’s bibs were made primarily by the Turkoman tribes of north Afghanistan, and while this unusual artefact has previously been described as Tekke, its foliate border design may more plausibly be attributed to the Ersari. Kalter illustrates a smaller bib with the same wavy kotshak motifs as here, which he firmly attributes to the Turkoman tradition, as opposed to Uzbek or Lakai, and an embroidered green ground bokhce (mirror bag) with a near identical border, described as Ersari. He also illustrates a complete bib in the same format as the present item, including the triangular flaps, which is embroidered in Turkoman motifs on a green background. In his section on Children’s Dress (p.96), Kalter states that the triangular flaps held an amuletic significance, similar to those stitched to the embroidered shirts of Tekke boys. 

Lit.: Johannes Kalter: The Arts and Crafts of Turkestan, Ill. 85b (turkmenische Latze); und Ill. 36 (Ersari bokhce)

Lot 91 of 100 Lots